Zum Hauptinhalt springen

Klare Prioritäten und Fokus auf wenige entscheidende Hebel

Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie oft ich das gleiche Problem in Unternehmen beobachtet habe.

Sie verzetteln sich. Seit ich meine MBA-Masterarbeit über die richtige Priorisierung geschrieben habe, fasziniert mich dieses Thema. Meiner Meinung nach ist dies eine der größten Herausforderungen für wachsende und sich entwickelnde Unternehmen.

Ich habe noch keine endgültige Antwort darauf, warum Organisationen und Menschen dazu neigen, zu viele Dinge parallel anzugehen. Eines ist jedoch sicher: Wechselkosten sind extrem hoch. Das habe ich bereits in meinem ersten Informatikkurs gelernt, und es gilt genauso für die Arbeit von Menschen wie für Computer.

Die Bedeutung eines einheitlichen Priorisierungsmodells

Ein häufiger Fehler in Unternehmen ist es, mehrere voneinander getrennte Prioritätslisten über verschiedene Teams und Abteilungen hinweg zu führen. Diese fehlende Abstimmung führt zu Ineffizienzen, Doppelarbeit und mangelndem Fokus auf das, was wirklich zählt. Der Schlüssel zur Vermeidung dieses Problems liegt in der Konsolidierung der Prioritäten in eine einzige, unternehmensweit abgestimmte Liste, die mit den strategischen Zielen übereinstimmt.

Eine einheitliche Prioritätenliste erstellen

Mehrere Listen verursachen Verwirrung und erschweren den Vergleich von Initiativen. Stattdessen sollten alle Prioritäten in einer einzigen, klar strukturierten Liste zusammengeführt werden. So erhaltet Ihr eine ganzheitliche Sicht und könnt fundierte Entscheidungen darüber treffen, wo Ressourcen am besten eingesetzt werden.

Prioritäten nach Wertschöpfung und Strategie bewerten

Nicht alle Aufgaben haben den gleichen Stellenwert. Die Priorisierung sollte durch ein strukturiertes Modell erfolgen, das Auswirkungen und Aufwand quantifiziert. Ein einfaches Bewertungssystem kann dabei helfen, Objektivität in den Entscheidungsprozess zu bringen. Zu berücksichtigende Kriterien sind:

  • Umsatzpotenzial – Wie viel direkten oder indirekten Umsatz generiert diese Initiative?
  • Rentabilität – Verbessert sie Margen, senkt Kosten oder steigert Effizienz?
  • Kosteneinsparungen und Effizienzsteigerung – Vereinfacht sie Abläufe, reduziert Verschwendung oder erhöht die Produktivität?
  • Strategischer Wert – Wie gut passt sie zu den langfristigen Zielen und Wettbewerbsvorteilen?
  • Erforderlicher Aufwand – Welche Ressourcen, Zeit und technische Komplexität sind notwendig?

Ein gewichtetes Bewertungsmodell hilft Euch, Projekte nach ihrem Gesamtnutzen für das Unternehmen zu priorisieren. Dadurch wird sichergestellt, dass sich der Fokus auf die wertvollsten Initiativen richtet.

Eine klare Produktvision und Strategie als Basis für die Priorisierung

Eine klar definierte Produktvision und Strategie dienen als Leitplanke für alle Priorisierungsbemühungen. Sind diese unklar, wird es für Teams schwierig, Entscheidungen zu treffen, und sie arbeiten an zu vielen Dingen, die nicht wirklich wichtig sind.

Eine starke Vision hilft Euch dabei:

  • Teams auf ein gemeinsames Ziel auszurichten
  • Eine Entscheidungsgrundlage zu bieten
  • Ablenkungen und unnötige Kurswechsel zu vermeiden
  • Prioritäten im gesamten Unternehmen klar zu kommunizieren

Ohne eine klare strategische Richtung bleiben selbst die besten Priorisierungsmodelle wirkungslos.

Die rote Linie: Entscheiden, was nicht getan wird

Eine der schwierigsten, aber wichtigsten Aufgaben bei der Priorisierung ist es, zu entscheiden, was nicht umgesetzt wird. Die Tendenz, immer mehr Initiativen hinzuzufügen, ohne andere zu streichen, führt zu Fokusverlust und schlechter Ausführung.

Um dem entgegenzuwirken, solltet Ihr eine rote Linie festlegen – eine klare Grenze, die bestimmt, wie viele Initiativen ein Team oder ein Unternehmen gleichzeitig bewältigen kann. Alles, was diese Grenze überschreitet, sollte bewusst zurückgestellt werden.

Strategien zur Durchsetzung dieser Grenze sind:

  • Strikte Projektlimits setzen – Nicht mehr als X strategische Projekte pro Quartal/Jahr
  • Regelmäßige Priorisierungsüberprüfungen – Laufende Anpassung und Verfeinerung der Backlog-Liste
  • Kompromisslose Entscheidungen – Wird eine neue Initiative hinzugefügt, muss eine bestehende gestrichen werden

Durch die konsequente Begrenzung der Prioritäten könnt Ihr Eure Energie auf wenige, wirkungsvolle Maßnahmen konzentrieren, anstatt Euch zu verzetteln.

Fazit

Fokus ist einer der am meisten unterschätzten Wettbewerbsvorteile in Unternehmen. Firmen, die Prioritäten meistern und der Versuchung widerstehen, zu viele Dinge gleichzeitig zu tun, haben eine wesentlich größere Chance, bedeutende Erfolge zu erzielen. Eine strukturierte Priorisierung, gestützt durch eine klare Vision und disziplinierte Umsetzung, stellt sicher, dass Energie auf die wirklich entscheidenden Initiativen gelenkt wird.

Letztendlich sind es nicht die Unternehmen, die alles tun wollen, die erfolgreich sind – sondern jene, die die richtigen wenigen Dinge wählen und sie außergewöhnlich gut umsetzen.